Generation "Selfie"

Frühjahr 2016, ich sitze in einem Restaurant in Karlsruhe und warte auf mein Essen. Mein Blick ist am Boden, wandert zu einem benachbarten Tisch. „Oh, schöne Frauenbeine“ denke ich und richte meinen Blick auf. Neben mir sitzt ein junger Mann, die dünnen Beine in enganliegenden Röhrenjeans gehüllt. Ein Schauer durchfährt mich. Ist das jetzt modern?

 

Einige Monate später laufe ich durch die Stuttgarter Innenstadt, es ist Sommer. An einer Bahnhaltestelle sitzen mehrere junge Männer, einer hält sein Mobiltelefon - entschuldigt, sein „Smartphone“ - in die Höhe und macht ein Foto von sich selbst. Spontan kommen mir Bilder pubertierender Mädchen mit Kussmund-Pose in den Sinn.

 

Diese jungen Männer werden ihre neuesten „Selfies“ von ihrem „Smartphone“ vermutlich sofort bei „Instagram“ posten und ihren „Buddies“ zeigen. Abends geht man dann mit seinen „Bros“ nach „Stuttgart-City“, „Party“ machen. Deutsch zu sprechen ist auch nicht mehr modern.

 

Die im Herbst mit Schrecken entdeckten Röhrenjeans grassieren inzwischen wie eine Pest bei jungen Männern, das Hosenbein schön sauber hochgekrempelt. Innerlich widerstrebt es mir, für jene Gestalten den Namen „Mann“ zu wählen. Wäre ich ein Grüner fiele mir bestimmt ein passendes Geschlecht ein, über meinen Horizont geht das jedoch hinaus.

 

Bei herrlichstem Sommerwetter laufen Massen Jugendlicher und junger Erwachsener durch die Zentren deutscher Städte, kümmern sich um die wichtigen Dinge des Lebens: Die Großwildjagd nach japanischen Monstern. Das Stichwort „Jagd“ kommt mir in den Kopf: Ob auch nur einer dieser Smartphone-Zombies in seinem Leben auch nur einmal ein Tier geschossen, ausgenommen oder auch nur dabei zugeschaut hat? Ist ja aber eigentlich auch nicht nötig, die Kuh wird schließlich schon in Frischhaltefolie geboren und die Pokémon lassen sich auch ohne schmutzige Finger erlegen.

 

Schmutzige Finger sind ohnehin nicht mehr sehr beliebt. Handwerkliche Berufe sind etwas für Trottel, denen bleibt nun mal keine andere Wahl. Kein Wunder, dass der Händedruck der heutigen jungen Generation gegenüber der ihrer Väter um etwa 20% schwächer geworden ist und man oft den Eindruck hat, man habe einem ein rohes Schnitzel gereicht und nicht die Hand eines Mannes.

 

Um von der eigenen Schwäche, ob physisch oder psychisch, abzulenken trägt der „Mann“ von heute Vollbart. Früher konnte man davon ausgehen, dass ein Mann mit Vollbart Bäume fällt und seine Familie ernährt. Heute kann man davon ausgehen, dass ein Mann mit Vollbart eine Kundenkarte bei Primark hat und ein hervorragender Modeberater wäre. Nebenbei schwadroniert man übrigens auch  gerne mal von Menschenrechten, ist ja total hipp, und kauft sich T-Shirts aus Indien für 2€.

 

Eines wird mir von Tag zu Tag deutlicher klar: Große Teile der heutigen Generation junger „Männer“ sind verloren, degeneriert. Die Verantwortlichen sitzen in unseren Parlamenten und unseren Schulen. Armes Deutschland.

 

 

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© Manuel Speck, Alternative für Deutschland