Flutkatastrophe in Braunsbach

Die Flut in Braunsbach am vergangenen Wochenende veränderte für die Anwohner des beschaulichen Dorfes alles. Ein Trupp AfD- und JA-Mitglieder begab sich am Montag den 30.05. nach Braunsbach, um bei den Aufräumarbeiten zu helfen. Was wir erlebten fasst der stellvertretende Sprecher des AfD-Kreisverbandes Baden-Baden/Rastatt, Manuel Speck, zusammen:

Am Mittag des 30.05. erreichte uns über die WhatsApp-Gruppe der JA Baden-Württemberg eine Nachricht des Landtagsabgeordneten Udo Stein, man benötige Hilfe in Braunsbach – wer hat Zeit?

Die Resonanz war gut und auch ich ging sogleich zu meinem Chef und bat um frühzeitigen Feierabend, welchen ich auch bekam. Also nach Hause, die Arbeitskleidung angezogen, Gummistiefel und Handschuhe gekauft und los geht es. Nach einer Stunde Fahrt durch idyllische schwäbische Dörfchen erahnte man bereits, anhand der Schlammreste auf den Straßen, dass hier etwas Schreckliches geschehen ist. Von dem steilen, kurvigen Weg zur Gemeinde Braunsbach sah man bereits den Kocher, der ein reißender Strom geworden war.

Parken musste man auf der Zufahrtsstraße – im Ort gab es ja nun keine Parkplätze mehr. Doch wie schlimm es in Braunsbach tatsächlich aussah sah man erst nach und nach.

Durch ein mittelalterliches Dorftor gelaufen, sah man bereits den Schlamm auf der Straße – es sollte nicht der letzte an diesem Tag sein. Hier kam mir auch direkt Udo Stein entgegen. Auf einer Geröllschneise neben der überfluteten Straße konnte man sich bewegen und wir gingen in Richtung des Hauses, in welchem die bereits anwesenden Parteikollegen arbeiteten. Wem das Haus gehört? Das wusste niemand so recht, es war aber auch egal. Jetzt hieß es: Schlamm raus!

 

Mit einem Augenblick wurden Hausrat und gesammelte Gegenstände in dem ebenerdigen Keller und der Garage des alten Hauses zu Schrott. Kellerraum auf, alles auf eine Schubkarre und ab auf einen großen Müllberg. Noch hatte ich keine Zeit, mir einen Überblick über die Zerstörungen zu machen. Der Fokus lag auf dem Kellerraum, doch das nebenan stehende Fahrzeug, in dessen Motorraum ein Waden-dicker Baumstamm wie ein Zahnstocher in einer Traube steckte, ließ schlimmes erahnen.

Nachdem der zerstörte Hausrat, der Schlamm und das Wasser entsorgt und die Kellerräume mit einem Dampfstrahler gereinigt wurden, beschlossen wir, uns einen neuen Einsatzort zu suchen.

Zwischenzeitlich erreichte mich die Meldung, dass am Rathaus ein Kameratrupp zwei Landtagsabgeordnete der CDU und der Grünen in Anzug und Lacklederschuhen filmt, während unser MdL bis zu den Waden im Dreck steht. Ich sah schmunzelnd schon die Schlagzeile des nächsten Tages: „AfD-Abgeordneter knöcheltief im braunen Sumpf!“

Udo zeigte mir anschließend das Trümmerfeld. Über Baumstämme und herausgerissenen Asphalt geklettert gelang man auf einen kleinen Platz, Autos wie Spielzeug auf die Trümmerberge geschoben und zertrümmert. Ein Haus, wohl eine Werkstatt, war zur Hälfte vom Wasser weggerissen, die Fassade voller Risse, das Fundament weggespült. Wie lange es wohl noch steht?

Die Straße neben dem Haus… Welche Straße? Wo einst wohl eine Straße war klafft eine Schneise, in 1m Tiefe beginnt das Wasser zu rauschen. Schaut dort nicht ein Reifen schräg aus der Wasseroberfläche? Dort liegt ja ein Auto im „Bach“.

Auf der Suche nach einem neuen Einsatzort begegnet uns ein Mann: „Die Frau da hinten braucht noch Hilfe“, also weiter. Wir müssen auf einen Bagger warten, er hebt gerade einen riesigen Baumstamm an, durch die Gewalt des Wassers komplett von seiner Rinde befreit. Mit einem lauten Schlag fällt er neben uns in den Dreck – wir hätten Abstand halten sollen, der Matsch tut sein übriges. Macht nichts, wir sind eh schon dreckig. Am Haus angekommen versucht die ältere Dame ihren Eingang frei zu bekommen. Wurzeln, Bäume, Trümmer. Wir graben den Eingangsbereich frei und schieben den Dreck aus dem Erdgeschoss. Auf einem Stein neben dem angrenzenden „Bach“ sehen wir einen total verdreckten Siebenschläfer, der sich gerade putzt. Wir nehmen ihn, unter heftiger Gegenwehr, und bringen ihn aus den Trümmern in ein Stück grüne Gartenfläche. Erstaunlich, in diesem Chaos noch grüne Flecken zu finden.

Nach einer kurzen Pause gehen wir ins Nachbarhaus, ein Altbau, der gerade saniert wurde. Nur wenige Zentimeter neben der neuen großen Glasfront hängt ein PKW auf den Baumstämmen, Glück gehabt. Innen muss das ganze Wasser und der Schlamm in Eimer gefüllt werden, es gibt keinen Ausgang ohne Schwelle. Der PKW des Hausbesitzers ist unter Balken begraben. Freisägen, oder für die Versicherung begraben lassen? Das Wohnzimmer ist freigeschaufelt, wir ziehen weiter.

Vor dem Rathaus häufen sich die Trümmer, wo ist die Treppe? Über Schutt und Schlamm klettern wir hinein, innen herrscht das blanke Chaos. Dokumente, Computer, Geräte – alles zerstört und wild umhergewirbelt. Wir zerkleinern die Büroeinrichtung und befördern sie in hohem Bogen aus den Fenstern. Ein Raum ist nicht betretbar, er ist durch die Fenster komplett mit Trümmern und Schlamm gefüllt worden. Unter dem Schlamm befindet sich Teppichboden. Mit dem Spaten abgezogen – fast wie neu! Ich muss erneut schmunzeln beim Gedanken an die Pressemitteilung „AfD schiebt Dreck aus dem Rathaus!“.

Ein Raum ist frei, der Gang vom gröbsten Dreck befreit. Nun ist 21:00 Uhr, alle sind erschöpft. Die Kollegen arbeiten ja teilweise schon deutlich länger als ich und auch ich bin erschöpft.

In einer ehemaligen Bank funktioniert ein Waschbecken noch, wir waschen uns notdürftig den Schlamm von den Armen. Wo wohl die Bankautomaten sind?

Eine auf der Straße liegende Rolle Mülltüten kommt mir gerade recht, ich ziehe mich um und werfe meine Kleidung in die Müllsäcke.

Erschöpft komme ich um 22:30 Uhr zu Hause an.

Am Freitag geht es weiter.

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© Manuel Speck, Alternative für Deutschland